Die Krallen zeigen Agrartechnik - 04/2004 WFW-Forstmaschinen: "Das Holz wird stärker - wir auch!"
Bei
Spezialforstmaschinen wird der Markt von einigen Hauptanbietern
bestimmt. Wer als Händler nicht an einen dieser "großen Namen"
gekoppelt ist, muss sich bei seinen Kunden auf andere Weise profilieren
- zum Beispiel durch ausgezeichneten Service. Klaus Reichenbach, WFW
Forstmaschinen, hat sein Konzept erläutert. |
Wer
Klaus Reichenbach kennt, weiß, dass er nicht "mit den Wölfen heult".
Das Raubtier auf dem Logo steht vielmehr für den Firmensitz Wolfegg im
Allgäu. Das Unternehmen Waldburg Forstmaschinen Wolfegg (WFW) besteht
nun seit elf Jahren. Firmengründer Fürst Johannes zu
Waldburg-Wolfegg, selbst Besitzer mehrerer tausend Hektar Wald, hatte
schon früh den Trend zur vollmechanisierten Holzernte erkannt. "Den
ersten Harvester im Einsatz habe ich vor zehn Jahren gesehen", bekennt
Reichenbach. "Von Anfang an haben mich daran zwei Dinge fasziniert: Die
eindrucksvolle Technik und die Menschen, die damit arbeiten." Grund
genug für den studierten Maschinenbauer und Betriebswirt die Stelle als
Geschäftsführer bei der WFW anzunehmen. Als dann im Jahr 1999 das
Angebot einer Beteiligung am Unternehmen kam, gab es für Klaus
Reichenbach nur eine Frage: Alles oder nichts! Seitdem ist er
alleiniger Inhaber der Waldburg Forstmaschinen Wolfegg.
Sieben auf einen Streich In
den Anfangsjahren betätigte sich die WFW als süddeutscher
Vertragshändler eines großen Forsttechnikherstellers. Als es hier zum
Bruch kam, musste sich Reichenbach andere Standbeine suchen. Zum Einen
waren dies die Fabrikate Hemek (heute Tigercat), Bruks, Empl und Neuson
sowie der Handel mit Gebrauchtmaschinen. Hier setzt die WFW verstärkt
auf die Marke Timberjack. Im Laufe der Jahre kamen dann noch der
Aggregat-Hersteller Waratha (eine John Deere-Tochter) und Forus dazu.
Außerdem sind noch diverse Zubehörlieferanten, wie Franzen als
Hersteller von Kettenschärfautomaten und Werkstattanhänger-Produzent
Stedele im Portfolio. Mit den beiden letzteren schnürt Reichenbach
gerne auch einmal Komplettangebote, wie zum Beispiel Harvester
inklusive Schärfautmat beziehungsweise Forwarder mit Werkstattanhänger.
Innovative Partner Mit
Tigercat und MHT-Neuson hat die WFW zwar keine Großtechnikhersteller im
Programm, die bei den Verkaufszahlen zu den Top drei gehören - dafür
sind sie um so innovativer. Dazu meint Reichenbach: "Tigercat hat ein
in der Branche einzigartiges Feature anzubieten: Die Pendo-Kabine von
Hemek. Sie ist an Gelenken aufgehängt, so dass sich der Fahrer immer in
einer ergonomisch günstigen Position befindet. Dies geschieht ganz
automatisch durch das Schwerkraftprinzip, nicht wie bei konventionell
tiltbaren Kabinen per Hydraulik. Ein positiver Nebeneffekt dieser
Funktionsweise ist, dass so auch die Schläge abgedämpft werden, die
beim Fällen der Bäume entstehen. Tigercat bietet ein komplettes
Programm an Harvestern, Forwardern, Kombimaschinen und Skiddern.
Während die rot lackierten Modelle bei Hemek in Schweden hergestellt
werden, kommen die gelben Maschinen aus dem Stammhaus in Kanada.
Tigercat hat Hemek im Jahr 2000 übernommen. MHT aus Österreich hat
sich rein auf Kettenharvester spezialisiert. Zwar stammen einige
Grundkomponenten aus dem Baukasten des Mutterkonzerns Neuson, es
handelt sich aber um reinblütige Forstmaschinen, nicht um modifizierte
Bagger. Die MHT-Raupenharvester stoßen schon jetzt in Steilhanglagen
vor, von denen andere nur träumen können. 60 Prozent Gefälle sind
durchaus möglich, was zur Zeit die generelle Grenze darstellt."
Service muss passen Forstmaschinen
müssen mit höchsten Beanspruchungen fertig werden. Klar, dass es da
auch zu Reparaturen kommt. "Bei Investitionen in dieser Größenordnung",
erklärt Klaus Reichenbach, "sind die Kunden sehr sensibel. Im
Reparaturfall müssen Ersatzteile und bei Bedarf ein Spezialmonteur
innerhalb von Stunden vor Ort sein. Kleinere Wartungsarbeiten werden
meist bei Landmaschinenfachbetrieben vor Ort erledigt. Wenn es
allerdings um Elektronik oder Hydraulik geht, müssen unsere speziell
ausgebildeten Monteure ausrücken. Interessant ist, dass unsere
Kunden für eine differenzierte Abrechnung nach Qualifikation der
Service-Mitarbeiter durchaus Verständnis haben. Einige Monteure
verbringen mehrere Wochen pro Jahr auf Schulungen in Kanada und
Skandinavien. Diese Kosten verstecken wir nicht in einem allgemeinen
Stundenverrechnungssatz, sondern gliedern sie einzeln auf". Im
Ersatzteilwesen geht die WFW mehrere Wege: Zum Einen gibt es je nach
Dringlichkeit verschiedene M?glichkeiten des Versands per Post oder
Kurier. Im Notfall springt der WFW-Bringdienst ein. Reichenbach
garantiert, dass sich spätestens 20 Minuten nach Bestellung ein
Mitarbeiter ins Auto setzt und das entsprechende Ersatzteil direkt in
den Wald bringt. Und zwar zum Selbstkostenpreis. Für Reparaturen in
Wolfegg stehen sieben Reparaturboxen bereit. Acht Service-Mitarbeiter,
ein Werkstattleiter und zwei Lageristen sind dort beschäftigt. Da viele
Forstunternehmer beziehungsweise deren Fahrer ihre Maschine auch in der
Obhut der Monteure nur sehr ungern allein lassen, können auch sie sich
an den Freigetränken im WFW-Bistro bedienen. Dieses steht Mitarbeitern
und Besuchern jederzeit offen. Im Nachbarzimmer ist der
Schulungsraum untergebracht. Dort steht ein Harvestersimulator mit den
vier gängigen Steuerungsprogrammen. Der Simulator wird aber nicht nur
zur Ausbildung von Forstmaschinenführern eingesetzt, er leistet auch
bei der Wartung gute Dienste: Tritt ein Problem auf, kann dieses im
Computer nachgestellt werden. Sind die entsprechenden Korrekturen in
der Software erfolgt, erhält der Anwender ein Update zugeschickt, ohne
dass ein Techniker zur Maschine muss.
Mitarbeiter motivieren "Unser
oberster Chef ist der Kunde", sagt Klaus Reichenbach. "Um dessen
Ansprüche in vollem Umfang befriedigen zu können, müssen unsere
Mitarbeiter äußerst flexibel sein. Dies funktioniert aber nur, wenn ich
ihnen Freiräume lasse. Ich mische mich zum Beispiel nie in
Arbeitsabläufe in der Werkstatt ein. Die Techniker teilen sich das
selbst ein. Wer Überstunden macht, kann gerne auch einmal zu Hause
bleiben, wenn gerade nicht so viel los ist. Ähnlich ist das auch bei
der Urlaubsplanung. Grundsätzlich sind bei uns immer zwei Personen für
ein Spezialgebiet zuständig. Diese stimmen sich dann untereinader ab.
Urlaubsanträge erhalte ich lediglich zur Kenntnis." Mit diesen
Freiräumen will Reichenbach seine Mitarbeiter zusätzlich motivieren und
halten. Eine Fluktuation wäre hier nämlich schlichtweg zu teuer.
Gebrauchte bringen Profit Viele
Technikhändler, und das gilt für den Forst genauso wie für die
Landwirtschaft, scheuen Gebrauchtmaschinen "wie der Teufel das
Weihwasser". Nur einige wenige scheinen damit Geld zu verdienen. "Mehr
als die Hälfte meines Umsatzes und einen erheblichen Teil meines
Gewinns mache ich mit Gebrauchten", versichert Klaus Reichenbach. "Und
zwar nicht nur mit Maschinen, die ich bei Neuverkäufen in Zahlung
nehme, ich schaue mich gezielt in Skandinavien nach Harvestern und
Forwardern um. Von den insgesamt 40 bis 50 Gebrauchtmaschinen, die wir
pro Jahr handeln, sind 30 bis 40 solche Aufkäufe. Junge Gebrauchte
werden oft sogar noch innerhalb des Garantiezeitraumes verkauft. Der
Gewinn liegt dabei freilich im Einkauf. Der Preis muss einfach
realistisch sein und darf keine Neumaschinengeschäfte subventionieren.
Alle Maschinen werden vor dem Weiterverkauf überholt. Den Kunden bieten
wir eine Zehn-Punkte-Garantie. Einen großen Markt gibt es für diese
Technik nicht nur in Süddeutschland, sondern auch in Osteuropa. So
bereiten wir dort auch den Weg für künftige Neumaschinengeschäfte."
Das Holz wird stärker Forstmaschinen
werden immer größer. Einerseits sind die Durchforstungen größtenteils
abgearbeitet, andererseits fällt durch Borkenkäferbefall mehr
Strarkholz an. Eine weitere Entwicklung geht hin zu einer besseren
Hangtauglichkeit. Mit ihren Produkten und ihrem Service-Konzept
behaupten sich die Waldburg Forstmaschinen Wolfegg erfolgreich auf dem
Markt. In den elf Jahren, in denen das Unternehmen besteht, hat sich
die Zahl der Mitarbeiter schließlich von fünf auf 20 vervierfacht. Dazu
passt der Leitsatz der WFW: "Das Holz wird stärker - wir auch."
Johannes H?dicke |
|